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(rm) Quelle: RP "Wirtschaft und Verbraucher" vom
19.03.03 |
Viele Banken
beraten Bauherren schlecht
Stiftung Warentest nahm 20
Kreditinstitute unter die Lupe: “Manche lassen keinen Fehler aus“. Wer den Kauf oder Bau seiner eigenen vier Wände finanzieren
möchte, wird von den Banken schlecht beraten. Die Stiftung Warentest hat mit 20
Kreditinstituten insgesamt 140 Testgespräche geführt und um Vorschläge für das
Beispiel einer gut situierten dreiköpfigen Familie gebeten. Am Ende waren die
Berliner Tester Konsterniert: „Blanken Unsinn“ nannten sie die Beratung durch
die Citibank, „mangelhaft“ die Finanzierungsprogramme der Postbank, Berliner
Sparkasse und Allbank. Nur jedes vierte Gespräch sei befriedigend verlaufen.
Entsprechend drei Viertel aller Finanzierungsempfehlungen hätte die
Musterfamilie erheblich höhere Kreditkosten tragen müssen als nötig. Das
Personal der Banken und Sparkassen, so resümiert die Stiftung in der neuesten
Ausgabe ihrer Zeitschrift „Finanztest“, sei “nicht ausreichend für die Beratung
qualifiziert“.
Versagt haben die meisten
Bankberater, als es darum ging, das Eigenkapital, über das die Musterfamilie
verfügt, optimal für die Finanzierung einer Eigentumswohnung einzusetzen. Dabei
ließen die Banken, so die Tester,
„kaum einen Fehler
aus“. Beispiel: Die Familie besitzt einen zugeteilten Bausparvertrag. Sie stand
vor folgender Alternative: Entweder sie ruft die volle Bausparsumme ab. Dann
erhält sie zum Guthaben noch ein Darlehen zu fünf Prozent Zinsen. Oder sie lässt
sich nur das Guthaben auszahlen. Dann bekommt sie zusätzlich Bonuszinsen
überwiesen sowie die Abschlussgebühr erstattet, was ihr Eigenkapital um etliche
tausend Euro auffüllt. Der richtige Ratschlag hätte mithin gelautet, die zweite
Variante zu wählen und zusätzlich ein Bankdarlehen aufzunehmen. Empfohlen wurde
aber meistens das Bauspardarlehen.
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Da nur wenige
Banken die Eigenmittel der Familie richtig einzusetzen wussten, rieten die
meisten Kreditinstitute zu unnötig hoher Kreditaufnahme und trieben so die
Finanzierungskosten in die Höhe. Den Vogel schoss, wie die Tester berichten, die
Citibank ab. Sie ignorierte das Eigenkapital der Musterfamilie gänzlich und
empfahl sogar mehr Kredit aufzunehmen, als die erstrebte Eigentumswohnung kosten
würde. Solche Inkompetenz sahen die Prüfer ergänzt durch Laxheit: „Berater
beschränkten sich auf simple Standardfinanzierung. Mehr als ein Darlehen mit
zahn Jahren Zinsbindung und nur einem Prozent Anfangstilgung fiel ihnen nicht
ein. Dabei hatte die Musterfamilien genügend Geld und Einkommen, um ihre Wohnung
schneller abzuzahlen.“ Darauf, dass ein Bauherr mit großer Wahrscheinlichkeit
zinsgünstige Förderdarlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bekommen
kann, habe nicht einmal jeder zweite Berater hingewiesen.
Für die Beratung über Baukredite
gibt es europaweite Qualitätsstandards, die in einem „Freiwilligen
Verhaltenskodex über vorvertragliche Informationen für wohnungswirtschaftliche
Kredite“ zusammengefasst sind. Diesen Kodex haben die meisten Banken
unterschrieben und sich damit verpflichtet, ihren Kunden im Rahmen der Beratung
ein „europäisches standardisiertes Merkblatt“ Vorzulegen. Wie aber die Berliner
Prüfer berichten, halten die meisten der unter die Lupe genommenen
Kreditinstitute nicht nur nicht die Standards ein. Sie verteilen auch nicht das
Merkblatt, dem die Musterfamilie besseren Rat hätte entnehmen können. Die
BB-Bank habe erklärt, so die Stiftung Warentest, sie halte es nicht für
notwendig, den Kodex zu unterschreiben, weil sie ja „sowieso unfassend und gut
berate“. Im Test landet die Bank mit einem „Befriedigend“ nur auf dem sechsten
Platz. Nur drei der 20 geprüften Kreditinstitute wurden mit „Gut“
benotet.
Leider, so
erinnern sich die Tester, waren die Bankberater kaum je besser. Die Stiftung
Warentest examiniere sie schon seit Jahren. Die Citibank belegte den letzen
Platz – schon zum dritten Mal hintereinander.
Winfried
Münster
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