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Sie
machen so viel Ärger: illegale Graffiti. Besonders Hauseigentümer
sind wütend, wenn sie ungewollte Schmierereien an frisch
sanierten Fassaden mit viel Aufwand entfernen müssen. Doch es geht
auch anders. Zunehmend lassen Firmen freie Flächen von Sprayern gestalten.
Dabei entstehen Farbtupfer, die schön anzusehen sind und im Grau der
Stadt auffallen.
Zwei, die aus ihrer
Sprayer-Leidenschaft einen Beruf gemacht haben, sind Wolf Konrad
Roscher und Alexander Zorn. Sie sind Geschäftsführer von
Projectarts, einer Firma für solche Auftragsmalerei. Seit März
vorigen Jahres sind sie auf dem Markt. Mit elf Schülern vom Gymnasium
Engelsdorf haben sie gerade einen Fußgängertunnel der Bahn im
Ortsteil fertiggestellt. „Die Leute finden es toll" sagt Roscher.
Tatsächlich ist aus der einst betongrauen Unterführung ein buntes
Kunstwerk geworden. Dabei nehmen's die beiden gelassen, dass derartiges in
der Szene von vielen abgelehnt wird.
Für die ehemaligen
Thomasschüler, die den Kunstleistungskurs belegten, hat die Dose
nach wie vor einen großen Reiz. Über ihre illegale Sprayer-Vergangenheit
machen sie nicht viel Worte, erinnern sich aber dennoch
gern:
- „Sein Ich in die
Öffentlichkeit zu stellen, ohne jemanden zu fragen", sei auch
Selbstverwirklichung gewesen.
- Sich nachts beeilen zu müssen,
verschaffe den Kick.
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Hingucker und gekonnte Werbung zugleich: die farbenprächtige
Hauswand von Fahrrad-Preisser in der Dresdner Straße. Sie stammt aus den
Dosen von Projectarts.
Fotos: Armin Kühne
Jenseits der 20 - Roscher ist 24,
Zorn 23 Jahre alt - sehe vieles anders aus. „Aussteiger" allerdings
wollen sie nicht sein. „Es ist ein Teil unserer Biografie", sagen
beide einhellig. Erwischt wurden sie damals nie - „wir waren einfach
gut."
Mittlerweile ist Projectarts in Leipzig ein Begriff geworden. An die 30
Aufträge wurden erledigt - die Bahn AG, Geschäfte, Kneipen,
Wohnungsgenossenschaften undprivate Hausbesitzer gehören zu den Kunden, die
sich Flächen bemalen lassen. „Es war für uns eine Flucht nach vorn", sagt
Kuno H. Krause, Realisierungsmanager bei der DB Projekt Verkehrsbau GmbH,
der mit Schülern aus dem Felix-Klein-Gymnasium von Sellerhausen und Projektarts erste Erfahrungen in Sachen legale Graffiti
sammelte - positive und so war der Tunnel Engelsdorf
gebongt. |
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Erst vor ein paar Wochen fertig gestellt wurde die
Bahn-Unterführung in Engelsdorf. Schüler des Gymnasiums machten dabei
mit.
Originell: diese Fassade eines Kontakt-Hauses in
der Eilenburger Straße/Ecke Johannisallee.
In Borsdorf soll jetzt ein
ähnliches Projekt folgen. Denn gerade im Leipziger Osten gebe es
große Probleme bei der Entfernung von Graffiti, so Krause.
- Auch andere Sprayer sind
mittlerweile auf dem legalen Trip: So ließ sich die
Bereitschafts-Polizei die Parkplatz-Mauer ihres Geländes an
der Essener Straße verschönen. Auch der S-Bahnhaltepunkt am
Allee-Center wurde im Auftrag von Polizei und Bahn AG gestaltet. 30
junge Künstler aus der Szene hatten im Vorjahr - ganz offiziell
versteht sich - Hand angelegt.
Saskia Grätz
Kontakt: Projektarts, Telefon (0341)
4 42 19 00 oder
www.projectarts.de. |